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Sikkim

Nach meinem Aufenthalt in Bhutan ging die Reise weiter nach Sikkim. Sikkim war bis 1975 ein unabhängiges Königreich. Dann wurde es von Indien annektiert und zum 22. Bundesstaat. Um nach Sikkim zu gelangen, fuhren wir zunächst nach Kalimpong in Westbengalen. Kalimpong ist eine kleine Stadt an der ehemaligen Handelsroute zwischen Tibet und Indien.

Wir übernachten im Hotel “Himalaya”, in dem schon Persönlich- keiten wie Alexandra David-Neel, Heinrich Harrer und Sir Edmund Hillary zu Gast waren. Das Hotel ist im englischen Landhausstil erbaut und von einem parkähnlichen Garten mit einer Vielzahl heimischer Pflanzen umgeben.

Die katholische Kirche wurde 1975 gegründet. Im Baustil erinnert sie an eine Pagode. Die Wandmalereien zeigen u. a. das Abendmahl. Die Jünger ähneln hierbei sehr buddhistischen Mönchen.

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Guruji Shri Mangaldasji kam 1940 nach Kalimpong. Er ist der Begründer der “Pranami Mission Trust”. Er hatte sich zur Aufgabe gemacht, Arme und Schwache zu unterstützen. Er gründete Schulen, Waisenhäuser sowie Krankenstationen.

 

Die Einwohner Kalimpongs gehören den verschiedensten ethnischen Gruppen an, Buddhismus existiert Seite an Seite mit Christentum, Hinduismus und Islam. So finden wir in unmittelbarer Nachbarschaft das buddhistische Tongsda Kloster, eine moslemische Moschee sowie die christlich St. Mary’s Catholic Church.

Ein eindrucksvolles Bauwerk ist der Mangal Dham. In diesem hinduistischen Tempel befinden sich eine riesige Gebetshalle sowie das Mausoleum von Guruji Shri Mangaldasji (1896-1985).

Bei unserem Streifzug durch die Stadt entdecken wir auch einen kleinen Handwerksbetrieb, in dem Räucherstäbchen hergestellt werden.

Am nächsten Tag geht die Reise weiter nach Sikkim. Eine abenteuerliche Fahrt, wobei in einem ständigen Auf und Ab auf steilen Strassen mehrere Bergrücken überquert werden müssen. Nicht umsonst warnen immer wieder Schilder an der Strasse: “Better too late, than sorry” oder “slow drive, long life”.

 

 

Unsere erste Station ist das Kloster Rumtek. Sitz des Gyalwa Karmapa, dem Oberhaupt des Karma-Kagyu Ordens, einer der vier Hauptlinien des tibetischen Buddhismus. Nachdem das Hauptkloster Tsurpu in Tibet von den Chinesen zerstört wurde, floh der 16. Karmapa  1959 nach Sikkim. Er ließ sich in Rumtek nieder und baute das dortige Kloster nach dem Vorbild von Tsurpu um.

16. Karmapa starb 1981. Die Suche nach seiner Reinkarnation wurde in dem Film “Living Buddha” von Clemens Kuby dokumentarisch dargestellt. Inzwischen streiten sich zwei Kandidaten um die Anerkennung als 17. Karmapa.

1992 wurde in Kham (Tibet) Urgyen Trinley Dorje als Wiedergeburt des Karmapa gefunden. Nach seiner Anerkennung als Reinkarnation durch den Dalai Lama wurde er in seinem traditionellen Sitz, dem Kloster Tsurpu in der Nähe von Lhasa, inthronisiert. Im Dezember 1999 floh er ins Exil nach Indien. Seitdem lebt er in einem Kloster bei Dharamsala, wo die tibetische Exilregierung ihren Sitz hat. Eine Reise nach Rumtek wurde ihm von den indischen Behörden untersagt. 1994 wurde die Situation grotesk, als Sharmapa, der 2-höchste Lama der Karma-Kagyu-Linie, Trinley Thaye Dorje als Reinkarnation des Karmapa aus- rief. Dieser lebt derzeit in Kalimpong.

Von Rumtek können wir unser nächstes Ziel Gangtok auf dem gegenüberliegenden Bergrücken sehen. Für die die Wegstrecke von 20 km benötigen wir jedoch fast 1 Stunde. Gangtok ist die Hauptstadt von Sikkim. Sie hat derzeit etwa 50.000 Einwohner.

Ein Besuch wert ist auch das Research Institute of Tibetology. Es wurde vom 14. Dalai Lama gegründet und 1958 von Nehru eingeweiht.

Wir fahren weiter nach Yuksom, was soviel wie “Treffpunkt der Drei Lamas” bedeutet. Der Legende nach sollen sich hier 1961 drei Lamas getroffen haben und den ersten König von Sikkim gekrönt haben.

Herrliche Thangkas und Fresken sind im Kloster Rumtek zu bewundern. Zum Kloster gehört auch eine Universität, in der buddhistische Geschichte, Philosophie und Logik sowie die tibetische Sprache gelehrt wird. In einem Treppenhaus der Universität können wir Mönche beim Musizieren beobachten.

Außerhalb der Stadt liegt das Kloster Enchey, der “Platz der Einsamkeit”. Es wurde 1840 gegründet und beherbergt etwa 90 Mönche. Es ist der Sitz der Nyingmapa-Sekte.

Das Institut beherbergt wertvolle Thangkas, Skulpturen sowie eine umfangreiche Bibliothek und spiegelt so die tibetische Geschichte und Kultur wieder.

An diesem historischen Platz befindet sich neben einer Gompa auch der Krönungsthron mit seinen 4 Sitzen für die 3 Lamas sowie für den 1. König Phuntshok Namgyal.

In Yuksom beginnt unser 8-tägiges Trekking. Unser Ziel ist der Gocha La. Von diesem Pass aus erhoffen wir uns einen Blick auf den Kangchendzönga, dem 3.-höchsten Berg unserer Erde. Begleitet werden wir von mehreren Führern, Träger sowie Yaktreiber mit ihren Tieren.

Durch dichten Bergurwald geht es zunächst mäßig ansteigend dem Fluss Ratong Chu entlang zu unserem ersten Lagerplatz. Am nächsten Tag führt der Weg dann steil bergauf. Orchideen, Magnolien, moosbewachsene Bäume und Rhododendren sind zu bewundern.

Wir erreichen auf 3050 m Tshoka, den letzten bewohnten Ort auf unserem Weg. Auch dieses Dorf hat eine kleine Gompa, idyllisch an einem kleinen See gelegen.

Das Wetter ist sehr unbeständig. In den frühen Morgenstunden ist es meist klar, so dass sich auch ein Blick auf die umgebende Berge eröffnet. Doch bereits am Vormittag ziehen dichte Wolken auf und wir sind froh, wenn wir den nächsten Lagerplatz trocken erreichen.

Von hier aus brechen wir noch bei Dunkelheit in Richtung Gocha La auf. Zunächst schien das Wetter gegen uns zu sein, doch plötzlich riss die Wolkendecke auf und ermöglichte einen kurzen Blick auf den Kangchendzönga, dem 3.-höchsten Berg unsere Erde.

Der Weg zurück nach Yuksom führt über Dzongri, einem Hochplateau, das als Yakweide dient. Durch einen herrlichen Rhododendrenwald steigen wir ab.

 

Am nächsten Tag spazieren wir durch einen dichten Rhododendrenwald. Es ist Blütezeit, so dass wir Blüten in allen Farben bewundern können. Sikkim ist für seine Rhododendren-Artenvielfalt bekannt.

Im Blickfeld immer wieder der Pandrim (6691 m). An seinem Fuß liegt Samity Lake, unser mit 4100 m höchstgelegener Lagerplatz.

Das letzte Stück zum Pass ist noch einmal recht steil und anstrengend, doch dann haben wir es geschafft. Bevor wir auf gleichem Weg wieder absteigen, bringen wir am Pass Gebetsfahnen an.

Für Trekker mit Gipfelambitionen gibt es sicher lohnendere Ziele, dennoch werden mir viele Eindrücke dieses Trekkings in Sikkim noch lange in Erinnerung bleiben. Ich habe eine Berglandschaft mit tiefen Tälern, dichtem Urwald und einer einzigartigen Flora kennen gelernt.