|
Wenige Kilometer westlich von Yangbajing abseits der Durchgangsstraße liegt an einem Berg ein Nonnenkloster. Um die zentrale Versammlungs- halle gruppieren sich die Wohnhäuser der Nonnen, so dass die
Klosteranlage eine kleine Stadt bildet.
Ihre Häuser sind im typischen Stil des tibetischen Hochlandes erbaut. Von einer Bäuerin wurden wir in ihr Haus gebeten. In einem Butterfass bereitete sie uns Buttertee zu. Leider hatten wir
für einen längeren Aufenthalt keine Zeit. Von Yak-Treibern wurden wir bereits erwartet. Sie sollten unser Gepäck ins ca. 23 km entfernte Basislager transportieren.

Unser Basislager lag in einer Höhe von 5300 m inmitten einer beeindruckenden Bergkulisse. Wenn man nur wenige Höhenmeter über die Moränenhänge aufstieg, konnte man die
Ausmaße dieses Gebirges erkennen. Zum Nyanchen Thanglha Gebirge gehören auch vier Siebentausender . Der Zentralgipfel mit 7117 m war unser Ziel.
Der erste Aufstieg führte uns zu einem etwa 6000 m hohen Aussichtsberg, den wir “Bellavista” nannten. Von hier konnte man die Aufstiegsroute zum Nyanchen Thanglha fast komplett einsehen.

Unsere Hochlager errichten wir auf einem Sattel in etwa 5950 m und auf 6300 m. Insbesondere im 2. Hochlager war bei tiefem Schnee der Aufbau der Zelte äußerst mühsam.
|
Ausreichend akklimatisiert konnten wir dann ins Basislager aufbrechen. Mit Jeeps ging es zu einer Alm an den Südhängen des Nyanchen Thanglha Gebirges. Hier leben einige Tibeter als Bauern.
Etwa 4 Stunden benötigten wir für diesen Marsch ins Basislager. Ein Teil unseres Equipements traf erst am späten Abend ein. Immer wieder warfen die Yaks ihre Lasten ab, so dass das
Gepäck neu aufgeladen werden musste.
Bei meinen früheren Aufenthalten in Tibet am Cho Oyu oder Shisha Pangma hatten wir im Frühjahr meist schönstes Wetter. Hier im Gebiet des Transhimalaya hingegen waren die
Schönwettertage eher selten. Schnee und Sturm waren an der Tagesordnung.
Die Aufstiegsroute hat eine mittlere Steilheit von 45°. Bei zum Teil blanken Eis brachten wir im unteren Abschnitt Fixseile an.
|
|
Ungünstige Wetterverhältnisse machten einen ersten Gipfelangriff unmöglich. Starke Schneefälle und Sturm zwangen uns, wieder ins Basislager abzusteigen. Dann wollten wir mit drei Gipfelmannschaften,
die an drei aufeinander folgenden Tagen aufsteigen sollten, unsere Gipfelambitionen realisieren. Nach zwei Ruhetagen brach ich mit drei Kameraden ins Hochlager auf.
|
|
Für uns schienen die Verhältnisse besser zu sein. Am nächsten Morgen empfing uns ein strahlend blauer Himmel. Doch Kälte und ein eisiger Sturm setzten uns gehörig zu. Entschädigt wurden
wir durch die grandiose Aussicht.
Zusammen mit Wolfgang Fasching, Mario Kastner und Theo Fritsche erreichte ich den Gipfel. Theo gehörte 1989 zu den Erstbesteigern dieses Berges.
|
Wir stiegen direkt in das Lager 2 auf 6300 m auf. Hier kam uns das 1. Gipfelteam entgegen. Bei Nebel und Sturm hatten sie den Gipfel erreicht und stiegen nun ins Basislager ab.
Der Aufstieg erforderte volle Konzentration. Über weite Strecken erfolgte dieser auf den Frontalzacken der Steigeisen. Erst im Gipfelbereich neigte sich der Berg zurück und das Aufsteigen
wurde einfacher.
Wir hatten Glück mit dem Wetter. Unter uns lagen die Gipfel des Nyanchen Thanglha Gebirges und nach Norden reichte unser Blick über das Hochplateau des Changthang. Hier konnten wir
auch den Nam Tso, den größten Salzsee Tibets erkennen.
|