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Uganda - Ruwenzori

Zweimal brach ich bereits zu den Eisbergen am Äquator in Afrika auf. 1993 und 1994 war ich am Kilimanjaro und Mount Kenia unterwegs. Nun endlich im Dezember 2004 folgte eine Reise zum Ruwenzori, dem dritthöchsten vergletscherten Bergmassiv in Afrika. Während der Kilimanjaro und Mount Kenia Vulkanberge sind, ist das Ruwenzori-Massiv ein Faltengebirge und im Rahmen der Entstehung des ostafrikanischen Graben- bruches entstanden. Ruwenzori heisst in der Sprache der einheimischen Bakonjo “Regenmacher”, angeblich soll es hier an 320 Tagen im Jahr regnen, seine Gipfel sind fast immer in Wolken verhüllt. Insgesamt somit keine günstigen Voraussetzungen für eine Bergtour.

Etwas umständlich über Dubai und Nairobi erreichte unsere kleine Bergsteigertruppe Entebbe in Uganda. Von hieraus fuhren wir direkt in die Hauptstadt Kampala. Dort wollten wir die letzten Vorbereitungen für unsere Ruwenzori-Reise treffen.

Das Ruwenzori-Gebirge liegt im Westen des Landes im Grenzbereich zur DR Kongo. Somit folgte am nächsten Tag erst einmal eine lange Autofahrt nach Kasese. Natürlich machten auch wir am Äquator den üblichen Fotostopp.

Ausgangspunkt für die Bergbesteigung ist Ibanda. Hier wurden wird schon von den Einheimischen erwartet, die uns als Träger bei der Tour begleiten wollen. Unsere 7-köpfige Gruppe brach schliesslich mit 4 Guides, einem Ranger und 36 Träger auf.

Zusätzlich zu dem persönlichen Gepäck tragen unsere Träger 12 kg an Lasten. Somit deutlich weniger als ihre Träger im Himalaya oder in den Anden. Sehr genau nahm man es auch mit dem Wiegen der Lasten, so dass sich unser Abmarsch lange hinauszögerte.

Gegen Mittag brachen wird auf. Vor uns lagen 8 Trekkingtage, die uns durch die verschiedensten Vegetationszonen führen sollten. Am 1. Tag hatten wir eine Wegstrecke von 10 km und über 1100 Höhenmeter zu bewältigen. Bald ging es hinein in den Urwald. Bei hochstehender Äquatorsonne und hoher Luftfeuchtigkeit kamen wir bald ins Schwitzen.

Überrascht war ich von der Vielfalt der Pflanzenwelt. Die verschiedensten Narzissengewächse und Orchideen waren am Wegesrand zu bewundern.

Steil ging es zu unserem ersten Lagerplatz hinauf. In einer Höhe von 2650 m liegt die Nyabitaba-Hütte. Wir zogen es jedoch vor, in unseren Zelten zu übernachten.

Eine lange Etappe lag auch heute vor uns. Mehrere Flüsse mussten überquert werden. In einem stetigen Auf und Ab ging es mühsam über Stock und Stein unserem nächsten Etappenziel entgegen.

Schliesslich machte der Ruwenzori als Regenmacher seinem Namen alle Ehre. Es begann zu regnen. Jetzt erforderte das Gehen volle Konzentration. Auf den nassen Wurzeln und bemoosten Stein konnte man leicht ausrutschen.

Von Innen und Aussen durchnässt erreichten wir die John Matte Hütte auf 3350 m. Eine geräumige und zu unserer Überraschung saubere Hütte. Heute schliefen wir alle in der Hütte. Auch in der Hoffnung, dass unsere nassen Kleider und Schuhe etwas trocknen mögen.

In der Nacht regnete es heftig und erste Zweifel kamen auf, ob das Reiseziel denn richtig gewählt sei. Auf einen tagelangen Marsch im Regen hatte von uns keiner die rechte Lust.

Doch der Ruwenzori meinte es gut mit uns und überraschte uns am nächsten Morgen mit einem blauen Himmel. Dennoch von nun an absolvierten wir die Tour in Gummistiefeln. Wir waren alle erstaunt, wie gut es sich in diesem wechselnden Gelände damit gehen lässt.

Heute erwartete uns die berüchtigte Bleichmoos Zone “Bigo Bog”. Zunächst kam der “Lower Bog”, eine grosse Ebene mit schlammigen Passagen. Obwohl man versucht, sich  von Grasbüschel zu Grasbüschel vorsichtig vorwärtszutasten, brach man mehrfach im sumpfigen Morast ein.

Vorbei an Riesensenecien ging es hinauf zum “Upper Bog”, ein Hochtal, das ebenfalls mit tiefem Morast auf uns wartete. Dieses “Bergerlebnis” wurde durch einen Regenschauer vollendet.

Endlich erreichten wir den Bujuku-See. Von hieraus ist es nur noch ein kurzes Wegstück bis zu unserem nächsten Camp. Doch das Gelände lässt kein zügiges Gehen zu. Und so kurz vor dem Tagesziel wollte ich nicht noch ein Schlammbad nehmen.

Die Bujuku Hütte liegt in ein Höhe von 3977 m. Da sie recht klein ist, übernachten die meisten von uns im Zelt.

Am Abend riss endlich der Himmel auf. In der Ferne war zwischen den Wolken der Mount Baker zu erkennen.

Es ist der 24. Dezember - Heiligabend. Bei Kerzenlicht, Weihnachtsbaum und einem Glas Wein kam auch bei uns im Urwald eine besinnliche Stimmung auf.

In der Nacht fielen die Temperaturen erstmals deutlich unter Null Grad. Am nächsten Morgen empfing uns ein strahlend blauer Himmel.

Nachdem die Sonne unsere Zelte etwas getrocknet hatte, stiegen wir über den Scott-Elliot-Pass zur Elena Hütte auf.

Zum ersten Mal bekamen wir einen Überblick über unsere Umgebung. Unter uns lag nun der Bujuku-See. Steil und rutschig ging es durch einen dichten Senecien-Hain hinauf. Die Elena-Hütte liegt zwischen Felsen auf 4540 m. Zelte können hier schlecht aufgebaut werden, so dass wir in der Hütte schliefen.

Das Ruwenzori-Massiv besteht aus 3 Gebirgsgruppen: Mount Baker, Mount Speke und Mount Stanley. Der  höchste Gipfel des Massivs ist die Margherita-Spitze, die zum Mt. Stanley gehört. Diese wollten wir am nächsten Tag besteigen.

Bereits um 4 Uhr in der Nacht standen wir auf. In den Tagen zuvor hatte es sich gezeigt, dass das Wetter morgens meist noch gut es ist und Wolken und Regen erst nach dem Mittag aufkamen. Mit Stirnlampen stiegen wir zunächst über Felsen zum Elena-Gletscher auf.

 Bei Sonnenaufgang hatten wir das Stanley-Plateau erreicht. Auf dem Gletscher waren keine Spuren zu erkennen. Ein Zeichen, dass schon lange keiner mehr an diesem Berg unterwegs war.

Vor uns lagen die beiden höchsten Gipfel des Ruwenzori: die Alexandra-Spitze (5091 m) und die Margherita-Spitze (5109 m)

Zwischen diesen beiden Erhebungen ging es steil zu einer Scharte hinauf. Die Verhältnisse waren ausgezeichnet, so dass wir diese bald erreicht hatten.

Die letzten Höhenmeter erforderten eine Felskletterei im I.-II. Grad. Doch mit einer Seilsicherung waren auch diese bald gemeistert.  Dann stand ich mit all meinen Kameraden und unseren 4 Guides auf dem Gipfel.

Uns bot sich eine phantastische Aussicht. Gegenüber erhob sich die Alexandra-Spitze. Im Westen reichte der Blick weit in den Kongo hinein.

Nach unserem Gipfelerfolg wollten wir nicht noch eine Nacht auf der Elena-Hütte verbringen. So entschlossen wir uns, bis zur Kitandara-Hütte abzusteigen. Diese liegt auf 4027 m malerisch an einem See gelegen.

Am nächsten Tag tauschten wir unsere steigeisenfesten Bergschuhe wieder gegen Gummistiefel ein.

Zwei anstrengende Tagesetappen lagen noch vor uns. Über nicht-enden-wollenden Bigo-Bog-Abschnitte ging es stetig bergab. Unsere letzte Nacht am Ruwenzori verbrachten wir in der Guy Yeoman-Hütte.

Der letzte Tag sollte der Anstrengendste werden. Noch einmal wurde uns alles geboten: sumpfiges Gelände, Flussdurchquerungen sowie Kletterpassagen über Felsplatten und Untergehölz. Zum Glück blieben wir vor weiteren Regengüssen verschont.

Erst mit erreichen des Bambuszone wurde ein normales Gehen wieder möglich. In Ibanda verabschiedeten wir uns von unserer Begleitmannschaft.

Hinter uns lag ein Bergerlebnis, wie ich es bislang noch nicht erfahren hatte. Die Tour ist nicht mit Reisen am Kilimanjaro und Mt. Kenia oder mit Trekkingtouren im Himalaya  oder Anden zu vergleichen. Die besonderen klimatischen Verhältnisse sowie das Gelände stellen extreme Anforderungen an das Durchhaltevermögen und die Psyche.

Dabei hatten wir noch großes Glück. Gerade auf den letzten Etappen kann es bei schlechtem Wetter auf rutschigen Felsen schnell zu gefährlichen Situationen kommen. Wer jedoch diese Strapazen und Gefahren nicht scheut, der wird mit phantastischen Landschafts- eindrücken belohnt.

Anfang Mai teilte die Naturschutzbehörde Ugandas mit, dass das Eis auf dem zweithöchsten Berg Afrikas aufgrund der Erderwärmung geschmolzen und dabei ein sechs Meter tiefer Spalt entstanden sei. Der Aufstieg zum Gipfel wurde daher bis auf weiteres gesperrt.

Dem Umweltschutzamt zufolge werden nur noch 2,6 qkm am Ruwenzori von Eis bedeckt. In den 50er Jahren waren es noch       10 qkm. Es ist zu befürchten, dass in 20 Jahren die Gletscher verschwunden sind.