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Namibia - Bei den Roten Hirten des Kaokoveldes

Bei meiner Namibia-Reise verbrachte ich mehrere Tage im Kaokoveld, eine der abgeschiedensten Region Namibias. Das Kaokoveld ist der Lebensraum der Himbas. Ein Nomadenvolk, das bislang ihre Tradition bewahren konnte. Auf der Suche nach Weideland und Wasser für ihre Tiere ziehen sie durch das Land.

Bei unseren Besuchen brachten wir den Himbas Gastgeschenke mit. Für die Frauen meist Zucker und Mehl, für die Männer Tabak. Dies öffnete uns den Zugang zu ihrem Kraal, so dass wir viel über ihre Lebensgewohnheiten erfahren konnten.

Man erzählte uns, dass sie am “heiligen Feuer” Kontakt mit ihren Vorfahren aufnehmen und diese um Rat und Hilfe bitten. Auch machte man uns darauf aufmerksam, dass eine fremde Person nicht zwischen Haupthütte, heiligem Feuer und Viehgehege umhergehen darf.

Wir respektierten diese Gepflogenheiten und wurden dafür mit einer herzlichen Gastfreundschaft belohnt. Erst nachdem wir dem Stammeshäuptling vorgestellt wurden, durften wir uns im Kraal frei bewegen.

Die Himbas wohnen in kuppelförmigen Hütten, die aus biegsamen dünnen Baumzweigen bestehen. Aus Kuhmist, Erde und Wasser fertigen sie einen “Baustoff”, mit dem die Zwischenräume der Stangen ausgefüllt werden.

Der Bau einer Hütte obliegt den Frauen, da Männer nicht mit Dung umgehen dürfen.

Am frühen Morgen werden zunächst die Kühe gemolken. Später werden sie dann aus dem Kraal hinaus auf die Weide getrieben.

Nach getaner Arbeit widmen sich die Frauen der Körperpflege, in dem sie sich mit Butterfett einreiben. Früher wurde dies auch von den Männern praktiziert. Heute sieht man dies bei ihnen nur noch selten.

Die Himbas tragen nach wie vor ihre traditionelle Kleidung. Männer tragen lediglich einen Lendenschurz und um den Hals einen Ring aus Eisen.

Auch die Frauen tragen eine Lederschürze, Arme und Beine  schmücken sie mit Ringen aus Kupfer. Die Halskette wird oft durch eine große Muschel ergänzt. Diese “Ohumba” wird von der Mutter an die Tochter vererbt.

Am Haarschmuck ist zu erkennen, ob der Mann oder die Frau verheiratet ist. Frauen tragen die “Erembe”, eine kunstvoll gefältelte Kopfbedeckung aus Kaninchenleder

Unsere Fahrt ging weiter zu den Epupa Fällen. Hier stürzt der Kunene über zahlreiche Kaskaden 30 m in die Tiefe. Unser Lager bauen wir im Schatten von Makalani-Palmen auf.

Hier ist der Bau eines gewaltigen Staudammes geplant. Obwohl man erkennen musste, dass in Afrika Staudämme bisher allesamt Fehlplanungen waren, will man es hier noch einmal versuchen. Die Epupa-Falls werden dann im aufge- stauten Wasser verschwinden und die Himbas werden wertvolles Weideland verlieren.

Im November reicht die Temperatur an die 40°C heran. Eine willkommene Erfrischung ist ein Bad in der Nähe der Wasserfälle. Am Flussufer sahen wir etliche Baobab-Bäume.

Nur zwei Flüsse in Namibia führen das ganze Jahr über Wasser: der Kunene im Norden sowie der Oranje im Süden. Letzterer ist der Grenzfluss zu Südafrika. Alle übrigen Flüsse innerhalb des Landes versiegen in der Trockenzeit.

In manchen Trockenflüssen gibt es Handpumpen, an den das Vieh getränkt werden kann. Oft bleibt den Bewohnern dieser Region nichts anderes übrig, als in den Rivieren, wie man die nur periodisch Wasser führende Flüsse bezeichnet, nach Grundwasser zu graben. Oft bis zu 5 m tief.

Auf unserer Fahrt durch das Kaokoveld fanden wir immer wieder Himba-Gräber. Wenn ein Himba stirbt, schlachtet seine Familie Dutzende von Rindern und schmückt mit deren Schädel das Grab des Verstorbenen, um dessen Status zu bekunden. Die Grabstätten gelten als heilige Orte. Die Familienoberhäupter vollziehen hier religiöse Riten und nehmen dabei Kontakt zu ihren Ahnen auf.

Wir nahmen Abschied vom Kaokoveld und den Himbas.

Doch unsere Reise durch das nördliche Namibia war noch lange nicht zu Ende. Entlang der Atlantik-Küste ging es weiter Richtung Swakopmund.